Der lange Weg nach Westen

Der Aufenthalt in Genua war nur von kurzer Dauer. Um sechs Uhr klingelte der Wecker. Um sieben hatten wir ausgecheckt und standen an der Bushaltestelle. Um kurz nach acht fuhr unser Zug. Damit wir uns etwas Stress ersparten, waren wir schon etwas früher am Bahnsteig, der sich im Keller des Bahnhofs Principe befand. Etwas komisch war es uns schon zu Mute, als wir beinahe alleine zwischen all den farbigen Straßenhändlern standen, die mit ihren in blaue Müllsäcke verpackten Waren auf den Zug warteten. Zu unserer Beruhigung nahmen beinahe alle einen zuvor kommenden Zug. Auf unserem ersten Abschitt in einem relativ neuen Zug ging es durch verrostete Industriegebiete nach Savona. In Italien scheint wohl, ähnlich wie in Tschechien, Rost ein Zeichen von Wohlstand zu sein. Unsere anderthalb Stunden Aufenthalt in Savona verkürzten wir uns am Bilderautomaten, ehe die Trenitalia sie wieder um eine halbe Stunde verlängerte. Unser Anschlusszug in Ventimiglia war nicht in Gefahr. Dafür ein Sitzplatz. Damit wir überhaupt nach Ventimiglia kamen, mussten wir uns in zwei Zweiergruppen aufteilen, so gestopft voll war der Zug. Nur noch zwanzig Minuten zu spät (Dank an unseren flinken Zugführer) und wieder vereint standen wir an unserem letzten Bahnhof in Italien. Mitten in die freudige Erwartung unseres Zuges kam die Schockmeldung: dreißig Minuten Verspätung. Es würde knapp werden in Nizza und auch mit unserer geplanten Ankunft in La Couronne um siebzehn Uhr nochwas. Laut deutscher Bahn wären wir dann erst um halb elf am Campingplatz gewesen. Doch es kam noch schlimmer. Der nächste Zug nach Nizza fiel komplett aus und unser Zug hatte letztendlich siebzig Minuten Verspätung. Unsere einzige Möglichkeit zu einer noch humanen Zeit in La Couronne anzukommen war der TGV von Nizza nach Marseille. Doch auch der drohte knapp zu werden und war Reservierungspflichtig. Oh mein Gott. Trotz aller Verspätung schafften wir es noch auf den train à grand vitesse. Beim nette Schaffner direkt löhnten wir die zehn Euro für die Reservierung. So würden wir zwar erst um halb acht am Campingplatz ankommen, was aber immer noch besser war als mitten in der Nacht. Die restliche Zugfahrt verlief unspektakulär. Sieht man davon ab, dass sich jemand verliebte. In Marseille ging hieß es raus aus dem doppelstöckigen TGV und rein in die Regionalbahn. Allerdings hatten wir keine Ahnung an welchem Bahnhof wir aussteigen sollten. La Couronne selbst war das totale Kaff, die nächst größere Ortschaft war laut google maps Sainte- Croix. Gab man das als Bahnhof an, sagte die Info Croix Sainte als Station an. Na gut, wird das gleiche sein. Doch nein, weit gefehlt. Zwar bestand der Name aus den selben Wörtern, jedoch war zweiterer zwölf, ersterer jedoch nur zwei Kilometer vom Zeltplatz entfernt. Was tun. Sainte-Croix hatte keinen Bahnhof. Und von Croix Sainte ohne Bindestrich musste ein Taxi her. Am iPhone wurde ständig die Route verfolgt, doch der Akku wurde knapp. Trotzdem kamen wir an einen Bahnhof mit dem Namen Gare du La Couronne. Schnell die Rucksäcke geschnappt und raus. Wir wussten nicht, ob wir wirklich richtig waren und an der Barracke, an der der Zug gehalten hatte stand auch nichts. Also nochmals die letzten Ressourcen des iPhone Akkus abgerufen und einen Straßennamen gesucht. Und siehe da, nicht einmal einen Kilometer bis zum Zeltplatz. Perfekt. Die Route, die uns das Handy anzeigte war ein Trampelpfad. Angekommen sind wir trotzdem. Klasse iPhone. Der nette Herr am Eingang zeigte uns gleich unseren Bungalow. Allerdings beging ich den gleichen Fehler wie zuvor beim Schaffner im TGV, als ich ihm die Frage, ob ich französisch sprechen würde mit “un peu” beantwortete. Beide legten sofort los und wir verstanden alle nur Bahnhof. Und davon hatten wir wahrlich genug gehabt. Fürs nächste Mal unbedingt merken. Unser Bungalow dagegen war spitze. Komplett ausgestattete Küche, Essbereich, Terasse, Grill, Liegestühle und Gartenmöbel. Was will man mehr. Meer? Meer, genau. Also nur kurz die Rucksäcke weg und mit Fotoapparaten und Shisha zum Strand, den Sonnenuntergang genießen. Die nächsten sechs Tage können kommen.

P.S.: Fotos folgen…


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